Midas Touch
Die Alchemie des Konsums. - Das galvanisierte Memento mori.
Als Hommage an ihren Mentor Daniel Spoerri und in der Tradition der „Eat Art“ werden kurzlebige Backwaren aus alter und neuer Welt in unvergängliche Ikonen verwandelt. Phrygische Mützen aus Edelmetall transformieren die profanen Schätze der Boulangerie in sakrale Reliquien unserer Konsumgesellschaft.
In diesem alchemistischen Prozess erfährt das Readymade Marcel Duchamps seine luxuriöse Radikalisierung. Der Faden, den Spoerri mit seinen "Tableaux Pièges" aufnahm, wird fortgesponnen, um einen fundamentalen kulturhistorischen Bruch zu offenbaren:
Spoerri fixierte noch die Überreste eines gemeinschaftlichen Gelages – den gedeckten Tisch als Symbol der Entschleunigung durch Esskultur und zivilisierte Nahrungsaufnahme, für die sich Zeit und Raum genommen wurde. Die stummen und vergänglichen Zeugen der Tischkultur entriss er dem Horizontalen ihrer sozialen Situation und erhob sie in die Vertikale der Kunst. Symptomatisch für unsere beschleunigte Gegenwart isoliert Kata Légrády nicht mehr das Festmahl, sondern das „Fast Food“ des modernen Nomaden: Ikonen der Hektik und des Stresses, die „nebenbei“ konsumiert werden. Die Monumentalisierung dieser flüchtigen „To-go“-Kultur entlarvt den Wandel vom Sich-Niederlassen zur rastlosen Mitnahme.
Hier trifft die materielle Verewigung auf den geistigen Ansatz von Georges Perec und dem „Infra-Gewöhnlichen“. Légrády verleiht genau diesem unbeachteten, im Vorbeigehen verzehrten Objekt ein physisches Gewicht und eine Beständigkeit durch Edelmetall, die seiner eigentlichen Banalität und Vergänglichkeit trotzt.
Dies führt uns zur philosophischen Pointe, die den Bogen zu Bazon Brock und dem Konzept des „The Void“ schlägt: Das „Fast-Nichts“ des Teigs wird nicht verzehrt, sondern in ewiges Kapital umgewandelt – das durch das Profane vermittelte Gefühl der Immaterialität zugleich durch das ultimative Materialistische konterkariert.
Die Serie „Midas Touch“ führt uns damit direkt in die tragische Isolation des gleichnamigen Regenten. Im unaufhaltsamen und hektischen Streben danach, alles in unsterbliche Ware zu verwandeln, riskiert die moderne Gesellschaft Midas' Schicksal: Die Fähigkeit zum wahren Genuss und zur menschlichen Nähe geht verloren. Das unantastbare, vergoldete Gebäck, makellos und ewig, ist nicht mehr essbar – es wird zur Allegorie der Isolation im Überfluss, zur reinen, leeren Form.
Légrádys Werk fragt uns daher: Was bleibt am Ende dieses glanzvollen Wahns? Nicht das Leben selbst, sondern nur die Gier, die selbst das Ephemere zur unberührbaren Ware macht. Für die Hoffnung auf eine dionysische Intervention und das erlösende Bad in einem modernen Paktolos, bedarf es zunächst der Erkenntnis.










