Heroes
Die Maskierung des Schreckens
Mit den Mickey-Mouse-Gasmasken aus der Zeit des zweiten Weltkriegs referenziert die Serie „Heroes“ eine sehr perfide historische Form der ästhetischen Tarnung: die kindgerechte Aufbereitung des Vernichtungskrieges. Die skurril anmutenden Masken, mit denen seinerzeit als „heroisches Spielzeug“ Kindern die Angst vor Chemiewaffenangriffen genommen und die lauernde Gefahr des Krieges normalisiert werden sollte, dienen als Ausgangspunkt für eine tiefergehende Auseinandersetzung damit, wie Gesellschaften Propaganda, Angst und den Schrecken des Krieges für die nächste Generation konsumierbar machen.
Die Perversion des Schutzes
Die Gasmaske ist neben dem Zeichen für Radioaktivität das ultimative Symbol für drohende tödliche Gefahr. So zieren ihre unverkennbaren Umrisse weltweit Hinweisschilder und warnen vor Gefahrenbereichen. Indem ihr das Gesicht einer Comicfigur verliehen wird, wird diese unheilvoll konnotierte Maske in ein Medium der De-Sensibilisierung transformiert. Auch das Kind ist ein Adressat des Krieges, der – de-sensibilisiert – nicht mehr primär vor der unsichtbaren Gefahr geschützt, sondern vielmehr von der Erkenntnis einer existenziellen Bedrohung abgehalten werden soll. Die Helden der Kindheit werden zu einem psychologischen Puffer gemacht, der den Ernstfall in ein Rollenspiel verwandelt und die Grenze zwischen Geborgenheit und Gefahr verwischt. Eine unwiederbringlich kontaminierte Unschuld besetzt den ehemals geschützten Raum der Kindheit.
Die Superhelden-Epitaphe
Durch die Erweiterung der Motive auf das Marvel- und DC-Universum (Iron Man, Captain America, Spider-Man) wird die historische Gasmaske in die Gegenwart der globalen Popkultur und Machtprojektion erhoben. Die Kostüme und die ikonischen Masken der Superhelden versprechen Unverwundbarkeit und Macht, doch werden sie mit der Gasmaske als Zeugnis menschlicher Verwundbarkeit und Memento der Vergänglichkeitkontrastiert. Dieser Kontrast ist ein zentrales Element der Superheldenmythologie, die stark von dem Wechselspiel zwischen Superheld und menschlichem Alter Ego geprägt ist.
Den wenigsten dieser Heroen ist es – wie Superman – vergönnt, ein geborener Held zu sein und sich nicht durch Kostümierung transformieren zu müssen. Superman trägt kein Kostüm, sondern seine eigene Kleidung. Er bedarf lediglich einer Kostümierung, um sich als Clark Kent unter den Menschen bewegen zu können. Bei den Heroes zeigt sich das Heldische hingegen als eine dünne Schicht, eine künstliche Haut oder ein Exoskelett, das über die menschliche Zerbrechlichkeit gezogen wird.
Ausgehend von diesem Paradoxon der Verkleidung verschmelzen die Gasmasken-Hybriden den Nimbus des Übermenschlichen mit Schutzbedürfnis, Angst und Unzulänglichkeit des Sterblichen, der auf technologische Filter angewiesen ist, um zu überleben. Die leuchtenden Farben der Comic-Ikonen fungieren als glänzende Hülle für ein Schutzutensil, dessen Nutzen von einem Scheitern der Zivilisation abhängig ist.
Die toxische Atmosphäre des Totalitären
Auch in der kriegerischen Propaganda kommt dem „Held“ seit jeher eine kaschierende Funktion zu. Die Maskerade des Heroismus hat sich als dienlich erwiesen, um den Krieg zu romantisieren und sein wahres Gesicht zu tarnen. In der Propaganda, die totalitäre Systeme
und despotische Herrscher wie die Luft zum Atmen brauchen, ist sie der Grundstoff für ein Klima der Angst, für imperialistische Phantasien und Heldenkult, der wie ein giftiges Gas alle Lebensbereiche durchdringt. Die 'Heroes'-Maske ist eine Art Requisite von Gesellschaften, die sich hinter der Fiktion der eigenen Größe verstecken und die vergiftete Luft des Totalitären atmen. Sie entlarvt den Heldenkult als ein Respirator dem Untergang geweihter Ideologien.










