Liaisons Dangereuses
„So war es ein Versehen. Küsse, Bisse, Das reimt sich, und wer recht von Herzen liebt, Kann schon das eine für das andre greifen.“
(Heinrich von Kleist, Penthesilea)
Das Boudoir der dunklen Triebe
Im Gegensatz zu anderen Serien wird die Gasmaske in den „Liaisons Dangereuses“ vom Schutz- und Propagandainstrument zum hochglänzenden Fetischobjekt transformiert. Es vollzieht sich ein gewisser Bruch innerhalb des OEuvres Kata Légrádys, da die Ebenen der Indoktrination im Kinderzimmer und der Maskierung der Gefahr aus den Zyklen „Dangerous Minds“ und „Heroes“ verlassen und das Boudoir der dunklen Triebe betreten wird.
Die aus originalen Gasmasken gefertigten Skulpturen, die den großformatigen, hochglänzenden Photoarbeiten zugrunde liegen, nutzen die haptische Sprache von schwarzem Gummi, Latex und Leder. Eine an Catwoman erinnernde Maske aus schwerem Leder evoziert Parallelen zu BDSM-Szenarien und rückt beim Betrachter das erregende Element von Dominanz, Unterwerfung und Gefahr in den Fokus. Auch die Smarties entfalten in dieser Serie eine neue – fast perverse – Wirkung: Im Kontrast zur sonst düsteren Anonymität der Masken erscheinen die bunten Verzierungen an Augen-, Nasen- und Mundpartien wie „aggressive Pixel“, die den Lebensretter bzw. Atmungsregulator in ein Objekt des Begehrens verwandeln. Durch die klinische Präzision und den extremen Hochglanz wird die „Kink“-Ästhetik auf die Spitze getrieben. Die „Warenwelt wird zur Fetischwelt“ in einer „verruchten“ Liaison aus Schmerz und Lust, für die der Mensch eine beunruhigende Empfänglichkeit besitzt: ein Zeugnis für jenes „Menschliche, allzu Menschliche“, das keine Maske dauerhaft zu verbergen vermag.
Die Dialektik von Eros und Thanatos
Lässt sich die moralische Integrität einer Zivilisation dekonstruieren, indem die Instrumente der Gewalt in den Kontext des sexuellen Fetischismus gestellt werden? Die Serie führt Gewalt, Glanz und Wollust zusammen und konfrontiert mit dem Wechselspiel existenzieller Bedrohung und erotischem Reiz, für das die Literaten, Philosophen, Mystiker und Psychoanalytiker seit jeher zahllose tiefgreifende Erklärungsmodelle anbieten: Georges Bataille begreift in seinen Gedanken zur Erotik ständige Grenzüberschreitungen als logische Reaktion auf gesellschaftliche Tabuisierung und als Notwendigkeit zur Überwindung der daraus resultierenden inneren Isolation. Robert Stoller sieht in der Perversion die „erotische Form des Hasses“ und Sigmund Freud exhumiert in seiner Schrift „Jenseits des Lustprinzips“ wissenschaftlich die ungleichen Gefährten Eros und Thanatos, deren schicksalhafte Verbindung auch die Künste begeistert und inspiriert. Auch dabei schlägt begehrliche Lust nicht selten in tödliche Gewalt um – wie bei Oscar Wildes Salomé, die den unwilligen Propheten köpfen lässt, um ihn schließlich küssen zu können. Die Gasmaske wirkt als Katalysator von Erstickungsangst und sexueller Ekstase – das aggressive Element wird für den Betrachter ästhetisch veredelt und in eine Form von Lust kanalisiert, die den Betrachter mit seiner eigenen Faszination für Macht konfrontiert. Es triumphiert letztlich wieder das Lustprinzip über das Realitätsprinzip: Leidenschaft und Leiden, Lust und Schmerz - in der menschlichen Psyche liegen sie oft nur einen Atemzug weit voneinander entfernt.










